„Raven gegen Deutschland“ oder: diskutable Themen im deutschen Elektropunk um das Label Audiolith

By Jakob

Zunächst mal ein frohes neues Jahr!

Heute will ich über etwas schreiben, was mich in den letzten Tagen schon was beschäftigt hat, nachdem ich in letzter Zeit etwas mehr Musik wie etwa die von Bands wie Egotronic oder Frittenbude gehört habe, welche alle beim Hamburger Label Audiolith erschienen ist.

Zunächst mal was zum Label Audiolith. Audiolith ist ein 2003 gegründetes Indie-Label, auf dem überwiegend elektronische Musik und Indie-Pop erscheint. Neben weitesgehend unpolitischen und von mir wirklich sehr geschätzten Acts wie Bratze, ClickClickDecker oder (zumindest für eine EP die dort erschien) Olli Schulz und der Hund Marie erscheint dort auch Musik, die teilweise textlich doch recht fraglich ist.

Wenn man sich näher mit der Musik des Labels beschäftigt, fallen zwei immer wieder auftauchende Themen auf, die ich aber mehr als diskutabel finde: zum einen eine anti-deutsche Haltung und zum anderen Drogen.

Das Anti-Deutsche wird vor allem von der Band Egotronic verkörpert.  In Songs wie „Raven gegen Deutschland“ und „Kotzen“ werden Meinungen vertreten, die ich zwar in Ansätzen durchaus auch unterstütze (etwa die Haltung gegen den in letzter Zeit auftauchenden „Flaggen-Nationalismus“ (siehe Fussball-WM 06 und EM 08)), aber auch mehr als fraglich sind. Dazu muss ich auch sagen, dass ich vor einigen Jahren mal derart polisch gehaltene Musik durchaus häufiger gehört habe, nämlich in Form von Deutschpunk wie etwa Slime. Egotronic vertreten eine klar Antideutsche Haltung (hierzu ist der Wikipedia-Artikel recht hilfreich), wozu auch eine kompromisslose Solidarität mit Israel gehört, was ich, gerade auf Hinblick auf die Ereignisse im Nahen Osten in den letzten Wochen, sehr diskutabel finde. Meiner Meinung nach haben nämlich die Palästinenser ebenso ein Recht in dem Gebiet zu leben wie die Israeliten (ich verurteile also ebenso das Verhalten der Israelischen Regierung, den Gazastreifen zu besetzten, als auch das Verhalten der terroristischen palästinensischen Organisationen). Da sich Egotronic aber eindeutig dieser Gruppierung der Antideutschen zuordnen, frage ich mich beim hören der Musik „Muss das sein?“. Klar, Egotronic haben auf jeden Fall das Recht ihre (wie gesagt zum Teil auch unterstützenswerte) Haltung offen kund zu tun… nur gehört es meiner Meinung nicht in Lieder, die eindeutig dem Feiern gedacht sind, denn durch den Aspekt des Feierns werden die Texte vermutlich von den meisten Hörern nicht korrekt aufgefasst.

Ein weiterer Aspekt ist die Pro-Drogen-Haltung in manchen Liedern. Als Beispiel seien hier zwei Lieder der Band Frittenbude genannt. In dem Lied „Hildegard“ besteht der Refrain u.a. aus der Zeile „Für mich soll es heute Acid regnen“, in „Zucker“ wird gesungen, dass das lyrische Ich sich „Crack reinpfeift“ und „pausenlos drauf ist“. Da die Elektroszene gerade für Jugendliche ja eine wichtige Szene darstellt, haben die Künstler in diesem Bereich meiner Meinung nach eine, wahrscheinlich unbeabsichtigte, gewisse Vorbildfunktion. Wenn diese nun Drogenkonsum in den Texten als etwas sehr natürliches und normales dargestellt wird, sind sie zweifelsohne ein schlechtes Vorbild, auch wenn die Texte vielleicht ironisch gemeint sind (Ironie versteht in dieser Gesellschaft ja bekanntlich bei weitem nicht jeder…).

Die Musik ist, wenn auch durchaus gut, also zum Teil echt mit Vorsicht zu genießen und sollte meiner Meinung nach durchaus auch hinterfragt werden, was ich mit diesem Text klar stellen wollte. Ich hatte auch das Gefühl das Thema anzusprechen, da ich vor einigen Tagen ja einen Link zu einem frei verfügbarem Sampler des Audiolith-Labels gepostet habe. Sollte sich jemand durch den Text vor den Kopf gestoßen fühlen, bitte ich vielmals um Entschuldigung. Ach ja: Kommentare habe ich für diesen Beitrag bewusst deaktiviert, da ich hier keine große Diskussion lostreten möchte.

Jakob